Unser Boden braucht eine Lobby

Maßloser Flächenfraß am Beispiel des Interkommunalen Gewerbegietes Limes: Unten und rechts in 3D simuliert die Hallen 2, 3 und 4 lt. Masterplan des Zweckverbandes (ZWIGL)

Am 5. 12. war Weltbodentag

Mit großer Selbstverständlichkeit verwandeln wir Wald-, Wiesen-, Garten- oder Ackerland in Baugebiete – in Deutschland tagtäglich die Fläche von über 90 Fußballfeldern. Das ist etwa das Doppelte dessen, was sich die Bundesregierung in ihrer Nachhaltigkeitsstrategie für das Jahr 2020 zum Ziel gesetzt hatte. Die Folgen wurden lange unterschätzt. Doch jetzt regt sich wachsender Widerstand – überregional organisiert zum Beispiel im Bundesbündnis Bodenschutz.

In der Wetterau und anderswo zeugen riesige Logistikhallen von einer Entwicklung, die stärker zu Klimawandel und Artensterben beiträgt, als gemeinhin bekannt ist. Gesunde Böden sind nicht nur wesentlicher Faktor der Nahrungskette für Menschen und Tiere und wichtig für die Grundwasserneubildung. Sie sind auch der größte CO2-Speicher überhaupt. Weithin unbekannt ist leider die Tatsache, dass einmal überbauter Boden für Jahrhunderte biologisch nahezu tot ist. Vielleicht auch deshalb werden viel zu oft bisher unbebaute Flächen mit leichter Hand als Bauland ausgewiesen. 

Boden hat ein Imageproblem – er ist scheinbar unbegrenzt verfügbar. Und hat weder Kulleraugen noch ein seidiges Fell, die im Tierschutz helfen, auch die Schutzreflexe weniger informierter Zeitgenossen zu wecken. Um so wichtiger ist es, uns die Bedeutung eines sorgsamen Umgangs mit dieser wichtigsten aller Ressourcen aktiv vor Augen zu führen.

Noch immer gibt es Entscheider in Politik und Wirtschaft, die eine überwunden geglaubte Idee nicht aufgegeben haben: Wachstum um jeden Preis soll als Allheilmittel herhalten. Mit Standard-Argumenten – Arbeitsplätze und Steuereinnahmen – werden langfristige Auswirkungen verdrängt.

Derzeit sind zum Beispiel allein in Südhessen 12.300 Hektar von Überbauungs-Planspielen betroffen – diese Fläche weist das ‚Regionale Entwicklungskonzept‘ für Südhessen als ‚Pool‘ aus. Laut aktuellem Flächennutzungsplan des Regionalverbands FrankfurtRheinMain sind es aktuell allein hier 2.300 Hektar. Regionalverbandschef Horn sah im Hanauer Anzeiger vom 21.8. Bedarf für „1.000 ha zusätzliche Gewerbeflächen“ bis 2030. Gerade im Fall der besonders wertvollen, auch in Zeiten vorübergehend geringerer Regenfälle fruchtbaren Lößböden der Wetterau stellt sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit solcher Pläne mit Nachdruck. 

Allerhöchste Zeit also, die Politik von der Notwendigkeit neuer Prioritäten zu überzeugen. Das Bundesbündnis Bodenschutz ist ein gemeinsamer Schritt dazu – und der Weltbodentag am 5.12. ein willkommender Anlass, für dessen Anliegen zu werben: Es gilt, die Anstrengungen von BürgerInnen und Institutionen zu bündeln, um das dringend erforderliche Umdenken sicherzustellen – und die Regierungen an ihre Zusagen zu erinnern.

Das Bundesbündnis lädt zum mittun ein – auf www.bundesbuendnis-bodenschutz.de findet sich neben einer Kontaktadresse die stetig wachsende Liste jener Bürgerinitiativen und Institu-tionen, die bereits ihre Arbeit vernetzen, sich gegenseitig unterstützen und Aktivitäten wie Klagen, Unterschriftensammlungen und Demonstrationen koordinieren.

Interessanter Beitrag von Pfarrer Kristen auf hr1

https://mp3podcasthrdl-a.akamaihd.net/mp3/podcast/hr1_zuspruch/hr1_zuspruch_20191115_83548088.mp3

Wer sich gegen Monsterhallen engagieren will, kann das ab sofort auch mit einer Spende tun

Bisher konnten die Mitglieder der BI alle Aktivitäten noch privat finanzieren. Seit es notwendig geworden ist, auch juristische Unterstützung in Anspruch zu nehmen, wird der Widerstand gegen die Erweiterung des Gewerbegebietes Limes zum 50 ha großen ‚Logistikpark Frankfurt Nord-Ost‘ deutlich teurer. Deshalb hat die BI nun ein Spendenkonto eingerichtet und freut sich über Ihren Beitrag – jeder gespendete Euro hilft! Bürgerinitiative SchatzBoden, Lehmann/Schott, Sparkasse Oberhessen, IBAN DE68 5185 0079 1028 3056 44

Hanauer Anzeiger vom 11.9.2019
Kreis Anzeiger vom 13.9.2019

ARD-Hessenschau: Streit um Dietz-AG-Pläne in Lich

https://www.ardmediathek.de/hr/player/Y3JpZDovL2hyLW9ubGluZS82NzAwNQ/

BI klagt gegen Dietz-Baugenehmigung in Philippsburg

https://www.wochenblatt-reporter.de/philippsburg/c-lokales/logistikzentrum-ist-fehlentscheidung_a119740

Wichtige Hintergrundinfos zum Gewerbegebiet: Hanauer Anzeiger vom 17.8.2019

Interview: Pfarrer Christ im Kreisanzeiger

Artikel vom 03.04.2019

Dorf gegen Industriegebiet

Beitrag im BR vom 10.01.2019, 20:45 Uhr

Als Bürgerinnen und Bürger haben wir sehr wohl Möglichkeiten, unsere Interessen zu vertreten. Auch und gerade, wenn sie nicht zu vermeintlich ‚längst beschlossenen‘ Plänen passen. Manchmal zeigt sich dann die ‚andere Seite‘ einsichtig – auch ohne zuvor jedem, der anderer Meinung ist, ‚Verschwörungstheorien‘ und ähnliches zu unterstellen, wie es leider nicht nur im Weißen Haus zunehmend vorkommen soll.

Ein schönes Beispiel: Die Gemeinde Vilshofen wollte auf Äckern und Wiesen vor den Toren der Stadt ein Industriegebiet bauen und dort eine Firma für Asphaltaufbereitung ansiedeln. Doch Vilshofen hatte die Rechnung ohne das Dorf Albersdorf gemacht, in dessen direkte Nachbarschaft das Gebiet gekommen wäre. Die Dorfbewohner stellten sich quer.


Hanauer Anzeiger

Artikel vom 08.03.2019